Drucken vor Gutenberg

Von der Zeitwende bis zum Ende des Mittelalters war das Abschreiben der Bibel Aufgabe der Mönche. Das Schreiben diente allein der Vervielfältigung. Dies ist bis heute wichtigstes Kriterium für das Schreiben und Drucken geblieben. Die ersten Druckwerke stammen bereits aus dem China des 7. Jahrhundert nach Chr..

In China wurde etwa um 105 n. Chr. von T’sai Lun das Papier erfunden, welches beim Drucken natürlich eine wichtige Rolle spielt. Denn ohne die Entwicklung des Papiers wären die meisten Möglichkeiten des Druckens gar nicht denkbar. Das Wissen um Papier und Druck ist wohl durch reisende arabische Kaufleute auf den Karawanenwegen nach Europa gekommen. Hier sind Papier und Druck um 1200 n. Chr. bekannt.

 

Gutenberg

Über den Menschen Gutenberg, den seine Mitmenschen Johannes „Henne“ Gensfleisch nannten, ist nur weniges bekannt. Nicht einmal ein authentisches Bildnis gibt es von ihm.

Das Geburtsjahr von Gutenberg ist nicht klar. So liest man immer „um 1400“ wurde er als Patriziersohn in Mainz geboren. In meinem Lexikon steht „zwischen 1394 und 1399“. Sicher ist aber sein Todestag und das war der 3. Februar 1468. Er verließ 1428 Mainz, wohin er aber 1444/45 zurückkehrte. Dort vollendete er seine Erfindung, die er von 1434 bis 1444 in Straßburg bereits ausgearbeitet hat.

Dem gelernten Goldschmied ist die geniale Idee gekommen, aus Metall gegossene Schriftzeichen herzustellen. Er wollte nicht mehr Buchstaben per Hand abschreiben und erfand einzelne Druckletter, die das gleiche Ergebnis viel schneller lieferten und die beim Druck immer wieder verwendet werden konnten.

Gutenberg gelang die Entwicklung eines ganzen „Systems“: bewegliche Letter aus Metall, eine Druckpresse, eine gute Druckfarbe und die richtige Behandlung des Papiers. Der Mainzer wurde von den Weinpressen seiner Heimat inspiriert und baute eine hölzerne Druckpresse, versah sie mit einer speziellen Schraube, so daß ein gleichmäßiger Druck auf das Papier ausgeübt wurde. Damit war die Vorläuferin der heutigen Druckmaschine geboren.

Gutenberg erfand ebenso eine neuartige Tinte aus Ruß und Leinöl, die auf Metall haftete und das Papier beim Drucken durchdrang.

Diese geniale Erfindung, die Grundstein der modernen Zivilisatioin ist und ohne die es keine Reformation, keine Schulpflicht, keine Entdeckung Amerikas und keine Zeitung gäbe, war aber für Gutenberg kein Gewinn an Reichtum. Als Kaufmann und mit seinen Geldgebern hatte er Pech. Für den Druck seiner Bibeln rechnete er sich saftige Gewinne aus. Er benötigte Geld für seine Werkstatt, für Materialien und für Gehilfenlöhne. Dieses Geld lieh er sich von Johannes Fust. Fust war deutscher Buchdrucker (*um 1400, † etwa 1466). Er unterstützte Gutenberg, pochte dann aber auf rasche Rückzahlung. Dies war Gutenberg natürlich nicht möglich und Fust luchste ihm die Druckerei und alle Druckmaterialien ab.

Die Herstellung der 42zeiligen Bibel war wohl der Höhepunkt im Leben Johannes Gutenbergs.

 

Das Drucken ist schon in damaliger Zeit nicht nur ein kultureller, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor. Es ist an der Entwicklung von Handel, Gewerbe und Industrie beteiligt.

Was einst mit dem Mann aus Mainz begann, ist mit der heutigen Branche natürlich kaum noch vergleichbar. Immer neue Fortschritte haben das Drucken im digitalen Zeitalter rasant verändert: Bleisatz war gestern, heute regiert der Rechner.

Vor allem der moderne Siebdruck und die maschinellen Hochdruckverfahren weisen eine kontinuierliche technische Weiterentwicklung auf.

 

 

Informationsweitergabe

Einem ununterbrochenen Erfahrungs- und Ideenaustauschs ist die ständige Veränderung und Weiterentwicklung unserer Zivilisation zu verdanken.

Hierbei ist nicht nur die Weitergabe von Informationen wichtig, wichtiger ist wohl, dass diese für die Zukunft bewahrt werden. Die grafischen Techniken ermöglichen es, Bilder und Texte zu bewahren und ebenso zu vervielfältigen.

Drucktechniken sind somit Grundlage unseres Zusammenlebens. Die kulturelle und soziale Geschichte unserer Gesellschaft spiegelt sich in der Entwicklung der Druckindustrie wieder.

Die Erzeugnisse grafischer Arbeit (Bücher, Bilder etc.) sind auch in ihrer technischen Realisierung von großer kulturhistorischer Bedeutung.

Schrift und Bild sind erste Vorbedingungen für eine Zusammenfassung von Kenntnissen und Erfahrungen. Zu den Urtrieben des Menschen gehört das Festhalten von Erlebtem, Gesehenem, Gehörten und Gedachtem.

Ein entscheidender Faktor bei der Vervielfältigung und Informationsweitergabe war natürlich die Erfindung der Papierherstellung, die viele Jahrhunderte nach ihrer Erfindung im Osten, in Nordwesteuropa bekannt wurde.

Pergament war kostbar und beschränkt vorhanden. Als dann das Papier vorhanden war, wurde eine großangelegte Verbreitung von Texten und Bildern möglich.

 

Künstler und ihre Grafiken

„Schwarze Kunst“ nannte man zu Gutenbergs Zeiten das Setzen und Drucken. Diese hat natürlich Einfluß auf die bildenden Künste ausgeübt. Meister wie Rembrandt oder Picasso wären da zu erwähnen.

Künstler wie Rembrandt, Goya, Munch oder Dürer haben Grafiken genauso genutzt wie Malerei, Zeichnung und Bildhauerei.

Mit dem maschinellen Druck von heute kann man großformatige Grafikblätter in hoher Auflage herstellen.

Vor allem Offsetdruck und Siebdruck haben der Grafik nach 1950 einen Monumentalcharakter verliehen.

Fotografie und industrielle Drucktechniken wurden in der grafischen Kunst akzeptiert.

 

Erste Ansätze grafischer Technik

In Stein oder Knochen geritzte Darstellungen gehören zu den ältesten Lebenszeichen prähistorischer Kultur.

Bei der Benutzung von Stempeln entsteht Grafik. Hier kann man schon von Bildvervielfältigung sprechen, die schon mehrere Tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung im Fernen und Nahen Osten verwirklicht wurde.

Stempel waren als Siegelringe und Rollstempel gebräuchlich und mit ihnen wurden Tontafeln gekennzeichnet oder ganze Texte gestempelt.

Auch lederne Bucheinbände wurden mit Rollstempel bearbeitet.

Textilien wurden schon sehr früh bedruckt. In China wurde Seide mit Stempeln bedruckt. In Ägypten wurden Textilien aus dem 6. oder 7. Jahrhundert gefunden, die ebenfalls bedruckt sind.

Bis ins 17. Jahrhundert nutzte man mehrfarbig bedruckte Textilien als Behänge. Im 18. Jahrhundert kam Papiertapete in Mode.

Mechanisiert wurde der Textildruck dann im 19. Jahrhundert.

 

 

 

 

 

Bedruckstoff

Die Grafik ist erst richtig zur Entfaltung gekommen, nachdem Papier als Material um 105 n. Chr. in China erfunden wurde.

Das Wort Papier ist aus dem lateinischen Wort papyrus bzw. dem griechischen Wort papyros entstanden.

Papier ist ein pflanzlicher Faserfilz, der rollen- oder bogenweise hergestellt wird.

Papier wird durch Entwässerung einer Faserstoffaufschwemmung auf einem Sieb gebildet.

Dabei entsteht Faserfilz, der verdichtet und getrocknet wird. Das Flächengewicht beträgt zwischen 7 und 150 g/m2.

Es gibt heute viele Materialien, die bedruckt werden können. Zum Beispiel Kunststoffe (Folien), Textilien u.a. Die Möglichkeiten des Siebdruckes, des Flexodruckes oder des Blechdrucks sind hier besonders zu erwähnen.

Der Bedruckstoff dient nicht nur zur Aufnahme von Farbe, sondern ist für sich schon ein Gestaltungsmittel. Einige Beispiele: Plastikfolien in verschiedenen Stärken und Farben zum Herstellen von Einkaufstaschen, Prospekten, Etiketten, Lebensmittelverpackungen, PVC-Folien, Tapetenpapier, Textilien für T-Shirts etc.

Jedoch ist nicht jeder Bedruckstoff für alle Druckverfahren geeignet.

 

 

Direkter und indirekter Druck

Durch den Druck wird Druckfarbe von der Druckform auf den Bedruckstoff übertragen. Beim direkten Druck wird die Druckfarbe von der Druckform direkt auf den Bedruckstoff gebracht.

Beim indirekten Druck wird die Farbe zuerst auf eine Gummioberfläche übertragen, die durch Kontakt mit dem Bedruckstoff das Bild hinterläßt.

Beim indirekten Druck kommen Bedruckstoff und Druckform also nicht in Kontakt.

Das Bild wird nach zweimaliger Übertragung (zweimal gespiegelt) so wiedergegeben, wie das Bild auf der Druckform erscheint.

Die verbreitetste Anwendung hat der indirekte Druck im indirekten Flachdruck gefunden, der deshalb Offset genannt wird.

 

 

 

Die vier grundlegenden Druckverfahren

 

Was heißt Drucken überhaupt?

Mit Hilfe einer eingefärbten Druckform werden Vervielfältigungen von Text und Bild hergestellt, wobei die eingefärbte Druckform auf das zu bedruckende Material gedrückt wird.

Für jeden Abdruck muß die Druckform neu eingefärbt werden.

Es werden vier grundlegende Druckverfahren unterschieden:

 

Hochdruck

Tiefdruck

Flachdruck

Durchdruck.

 

 

Hochdruck (Bildstellen sind erhaben)

Die hochstehenden Teile der Druckform werden eingefärbt und geben die aufliegende Farbe an den Bedruckstoff ab:

Buchdruck, Holztafeldruck, Holzschnitt, Holzstich, Metallschnitt, Stempeldruck, Linoldruck, Materialdruck, Kartoffeldruck, Prägedruck, Tapetendruck.

 

 

 

Tiefdruck (Bildstellen sind vertieft)

Die tiefliegenden Teile der Druckform werden eingefärbt und geben die darinliegende Farbe an den Bedruckstoff ab:

Kupferstich, Stahlstich, Radierung, Aquatinta, Heliogravure, Rakeltiefdruck.

 

 

Flachdruck (Bildstellen und Nichtbildstellen liegen auf einer Ebene)

Druckende und nicht druckende Teile der Druckform liegen in einer Ebene. Das Druckprinzip beruht auf dem gegenseitigen Abstoßen von Fett (Farbe) und Wasser. Durch Präparieren der Druckform nehmen die druckenden Teile die fetthaltige Farbe auf, sie sind farbfreundlich.

Die nicht druckenden Teile stoßen Farbe ab:

Steindruck oder Lithografie, Offsetdruck, Lichtdruck, Zinkdruck, Blechdruck, Algrafie.

 

 

Durchdruck (Druckform ist ein Sieb mit Schablone)

Beim Durchdruck wird die Farbe durch die Druckform (eine Schablone) auf den Bedruckstoff übertragen.

Beim Siebdruck besteht die Druckform aus einem siebartigen Gewebe, das die Schablone trägt. Die druckenden Stellen sind offen (farbdurchlässig), die nicht druckenden Stellen sind geschlossen (farbundurchlässig):

Schablonendruck (Wachs- und Kunststoffschablonen), Metallschablonen, Siebdruck, Filmdruck (Siebdruck auf Textilien).

DER HOCHDRUCK

Der Hochdruck wird auch als Buchdruck bezeichnet und ist das Druckverfahren Gutenbergs. Die ältesten Drucke, die im Hochdruckverfahren hergestellt wurden, stammen aus der Zeit um 1400. Hierbei handelt es sich um eine mechanisierte Form des Zeichnens oder Schreibens, jedoch wird bei diesem Verfahren die Farbe in einem einzigen Arbeitsschritt auf den Bedruckstoff gegeben.

Für die Druckform benötigt man eine ebene Oberfläche und fast alle Holzarten können verwendet werden. Linoleum, Gummi, Plastikmaterial, Stein, Zinn und Blei sowie Kupfer und Zink sind ebenso für den Hochdruck geeignet.

Die Druckformrohlinge werden so bearbeitet, daß die druckenden Partien erhalten bleiben, die nichtdruckenden entfernt werden. Der wohl bekannteste Hochdruck ist der Kartoffeldruck, den man bereits im Kindergarten kennengelernt hat.

Die erhöhten Teile der Druckform werden dann mit Druckfarbe eingefärbt. Ein Druckkörper führt den Bedruckstoff (Papier oder Karton) über die Druckform hinweg.

Durch den Anpreßdruck, der eigentlich nicht sehr groß ist, entsteht ein Quetschrand, den man besonders mit der Lupe erkennen kann.

Dieser Quetschrand ist ein besonderes Merkmal für den Hochdruck. Druckerzeugnisse des Hochdrucks sind ebenso an der Schattierung, eine

Prägung des Bildes auf der Rückseite, zu erkennen.

 

Holzschnitt

Neben dem Kartoffeldruck ist auch der Holzschnitt oder Xylografie ein manuelles, künstlerisches Hochdruckverfahren.

Die ersten europäischen Holzschnitte entstanden in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Die „Brüsseler Madonna“ von 1418 ist wohl der älteste datierte Holzschnitt.

Die Menschen, die sich mit dem Holzschnitt beschäftigten, nannte man incisor lignorum (Holzkerber) oder auch Figurenschneider, Drucker und Formschneider.

 

Bois Protat„, ein doppelseitiger Holzschnitt aus dem 14. Jahrhundert, benannt nach seinem Besitzer, wurde für den Textildruck angefertigt.

Die ältesten Holzschnitte haben überwiegend einen religiösen Charakter.

Mönche, die u.a. Bücher kopierten, nutzten die Möglichkeit des Holzschnittes zur Glaubensverbreitung.

Holzschnitte wurden auch in Wallfahrtsorten als Pilgersouvenirs verkauft. Reisende benutzten sie als Talisman gegen Krankheit und Unglück.

 

Wie schon gesagt, ist für die Druckform jede Holzart – die eine mehr, die andere weniger – geeignet.

Bevorzugt wird nicht-arbeitendes Holz mit feiner, kurzer Maserung.

Buchen-, Eichen- oder Nußholz und Obstbaumhölzer (Kirsche, Apfel, Birne) werden benutzt.

Holbeins Bibelillustration ist ein Beispiel für ein in Palm- oder Buchsbaumholz erstellten Holzschnitt.

Diese Holzart ist sehr hart und für hohe Auflagen optimal geeignet.

Munch und die deutschen Expressionisten haben den Holzschnitt benutzt. Sie haben die Holzstruktur mit in die Wirkung des Holzschnitts einbezogen, indem sie die Maserung durch Stahlbürste oder grobem Schmirgelpapier stärker hervorgehoben haben.

Vom Holzschnitt zum Kupferstich

Im zweiten Viertel des 15. Jahrhundert wurde die Linienführung feiner und die Bildstruktur detaillierter.

Die Schattierung, die auf der Rückseite entstand, machte das beidseitige Bedrucken unmöglich.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist eine weitere Verfeinerung der Bildwiedergabe erkennbar.

Die Werke Hans Holbeins bilden hier wohl den Höhepunkt dieser Entwicklung.

Diese sehr detaillierten Bilder sind nur einige Quadratzentimeter groß (sie sind hier in Originalgröße abgebildet).

Paul Gauguin und Edward Munch benutzten den Holzschnitt als ein direktes, künstlerisches Ausdrucksmittel. Ihre Grafiken weisen Holzmaserungen bewußt auf und auch Spuren der Werkzeuge lassen sich erkennen.

Der Holzschnitt wurde Ende des 15. Jahrhunderts vom Kupferstich verdrängt, Kupfer ermöglichte eine noch feiner Linienführung und bot die Möglichkeit zu viel genauerer Information.

 

Weitere Hochdruckverfahren

Metallschnitt, Steinschnitt, Schrotblatt, Linolschnitt, Stempeldruck, Gipsschnitt, Reliefabdruck, Holzstich, Materialdruck

 

 

 

 

 

 

Die Textherstellung im Hochdruck

Typografie bedeutet: Schreiben durch Abdrucken von Stempeln (griech.: typus = Stempel oder Abdruck).

Mit Hilfe loser Letternstempel, die auseinandergenommen und wieder neu zusammengesetzt werden können, wurden Texte hergestellt.

Gutenberg kommt hier wieder zur Sprache, denn er hat das Verfahren zum Gießen einzelner metallischer Lettern entwickelt.

Neu war, daß nun Textzeilen und -kolumnen mit passenden Wort- und Zeilenabständen aufgebaut werden konnten.

Etwa 350 Jahre lang blieb diese Arbeitsweise unverändert. Erst in den letzten 100 Jahren wurden neue Satztechniken und Druckverfahren entwickelt.

 

Letternstäbchen

Alle Lettern sind 24 mm hoch (vom Schriftbild bis zum Fuß).

Der Schriftgrad eines einzigen Alphabets ist gleich. Dieser wird in typografischen Punkten gemessen. Zwölf Punkte sind ein Cicero.  Diese Bezeichnung leitet sich vom Namen des römischen Rhetors Cicero ab, dessen erste Schriftenausgabe in diesem Schriftgrad gedruckt wurde. Ein Cicero entspricht etwa 4,5 mm.

Die typografischen Maße wurden 1795 in Frankreich festgelegt, 1872 in Deutschland eingeführt und haben bis heute überlebt.

 

Pro Schriftgrad gibt es 26 VERSALIEN (Großbuchstaben) und 26 gemeine (Kleinbuchstaben). Hinzu kommen 26 Kapitälchen (Großbuchstaben mit der Höhe von Kleinbuchstaben), besonders bezeichnete Buchstaben mit Akzenten u.ä., einige Ligaturen (Buchstabenverbindungen wie fl, &, œ, u.a.), zehn Ziffern und ein Dutzend Satzzeichen.

Insgesamt kommt man also auf 125 bis 150 Zeichen!

Hinzu kommen auch noch kursive Buchstabentypen, die leicht geneigt sind und fette Buchstaben.

Der Schriftsetzer benötigt außerdem noch Ausschlüsse, die als Spatien zwischen den Worten gesetzt werden.

Dieses Buchstabenmaterial wird in einem Setzkasten sortiert.  Hier hat jeder Buchstabe ein eigenes kleines Fach. Der Setzer kann so ohne hinzuschauen, den richtigen Buchstaben greifen, den er dann in einen Winkelhaken legt.

Nach fünf Zeilen wird der Satz in ein Schiff gelegt. Man muß sich bewußt machen, daß vor 1900 in dieser Weise ganze Bücher – Buchstabe für Buchstabe – gesetzt wurden.

 

DER TIEFDRUCK

Beim Tiefdruck liegen die druckenden Elemente vertieft in der Druckform.

Gravieren ist wohl die älteste bildnerische Arbeitsweise auf einer ebenen Fläche.  Die Etrusker verzierten im 6. Jahrhundert vor Chr. bronzene Dosen oder die flache Rückseite von Spiegeln.

Kunstschmiede kontrollierten ihre Arbeit, indem sie Ruß in die gravierten Striche füllten und einen Abdruck auf Pergament oder Papier machten.

Die Hilfstechnik wurde nach Erfindung des Papiers und geeigneter Druckfarben zu einem neuen Druckverfahren weiterentwickelt. Der Tiefdruck wurde somit eher zufällig entdeckt.

Tiefdruckformen werden aus Metall, speziell aus Kupfer hergestellt.

Neben Kupfer wird auch Stahl, Messing, Bronze, Zink und Kunststoff verwendet.

Es gibt zwei unterschiedliche Techniken, die vertieft liegenden Elemente anzubringen: mechanisch (Stechen, Schlagen, Bohren) oder chemisch (Ätzprozeß).

Mit dem Tiefdruck können Tonunterschiede erzeugt werden. Kratzer, die nicht tief sind, geben nur wenig Farbe ab und erzeugen hellgraue Striche. Während tiefe Gruben viel Farbe enthalten und somit tiefschwarze Striche hinterlassen.

Die Reproduktion solcher Werke, die im Tiefdruck hergestellt wurden, ist sehr schwer, ja sogar unmöglich.

Der manuelle Tiefdruck ist an drei Merkmalen erkennbar. Zum einen an der Art, wie die Farbe auf das Papier übertragen wird. Die Farbe befindet sich in den Vertiefungen der Platte und in diese wird das geschmeidige Papier gepreßt. Es entsteht eine negative Schattierung bei breiten, tiefen Linien.

Auf der Rückseite erkennt man leicht vertiefte Linien. Auf der Vorderseite ist die Farbe etwas erhöht auf dem Papier, was fühlbar ist.

Typisch für den Tiefdruck ist auch der Plattenton. Auch wenn man die Druckform reinigt, bleibt etwas Farbe auf den nichtdruckenden Elementen. Sie hinterläßt einen leichten Ton auf dem Druck.

Als letztes Merkmal ist der Plattenrand zu erwähnen. Das Papier wird so gepreßt, daß es glänzt, außerhalb des Plattenrandes jedoch behält es seine ursprüngliche Rauheit.

 

Kupferstich (als Beispiel für eine mechanisch-manuelle Tiefdruckart)

Der Kupferstich hat einen ganz anderen Charakter als der Holzschnitt. Das Material ist kostbarer, die Ausführung mühevoller; die Formgebung ist subtiler und der Druck umständlicher. Er war für aristokratische Kreise bestimmt und wurde von namhaften Künstlern gefertigt.

Der älteste datierte Kupferstich stammt aus dem Jahre 1446. Dies ist der Druck aus einer deutschen Passionsreihe vom anonymen Graveur „Meister von 1446“.

Die Druckform wird meist aus Rotkupfer hergestellt. Auch Gelbkupfer, Zinn und Eisen kommen in Betracht. Der Kupferstich weist alle typischen Merkmale des manuellen Tiefdrucks auf: negative Schattierungen, erhöhtes Farbbild, Plattenrand und Plattenton.

Der Kupferstich hat sich im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts entwickelt.

Die Niellotechnik, die schon vorher bekannt war, wurde benutzt, um Kostbarkeiten zu verzieren. Ein Niello (Plural: Nielli) ist ein in Metall graviertes Bild, dessen Vertiefungen mit einer schwarzen Masse gefüllt sind (ital. niello = schwarz).

Die ältesten Stiche zeigen große Ähnlichkeiten mit den Nielli. Der Kupferstich entwickelte sich weiter, neue Schraffurtechniken kamen hinzu, mit denen man das Bild strukturieren konnte. Neu waren Kreuzschraffuren und Parallelschraffuren.

Albrecht Dürer befreite den Kupferstich im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts von letzten Resten handwerklichen Arbeitsweise. Er gab seinen Stichen eine lebhafte Plastizität und eine starke stoffliche Ausdruckskraft.

Der Kupferstich hat in unserem Jahrhundert kaum eine Wiederbelebung erfahren. Gründe sind dafür zum einen die komplizierte Technik und die große handwerkliche Geschicklichkeit, die vom Ausführenden abverlangt wird.

 

Weitere mechanisch-manuelle Tiefdruckarten:

Stahlstich, Kaltnadel(radierung), Punzenstich, Punktstich, Schabekunst.

 

Radierung (als Beispiel für eine chemisch-manuelle Tiefdruckform)

Bei der Radierung werden die tieferliegenden, druckenden Elemente durch Ätzung entfernt.

Dabei wird die Platte mit Ätzgrund, einer säurebeständige Schicht, abgedeckt, darauf wird die Zeichnung gebracht. Dort wo die Schicht entfernt wurde, wird das Metall durch einen stofflösenden Prozeß abgetragen. Das Bild erscheint vertieft in der Platte.

Die ersten Radierer stammen aus Augsburg. Daniel Hofer (Waffenschmied Kaiser Maximilians von Österreich) stellte dort um 1506 Radierungen mit Materialien aus der Waffenschmiede her.

Urs Graf stellte wohl die älteste datierte Radierung her. Auf dem Druck ist eine Frau zu sehen, die ihre Füße wäscht. Es stammt vermutlich aus dem Jahre 1513.

Albrecht Dürers bekanntester Druck ist die „Nürnberger Kanone“ von 1518. Die war wohl auch seinen letzte Radierung, weil er unzufrieden war mit der Qualität der geätzten Drucke.

Die Radierung wurde im 16. Jahrhundert als eine rasche, minderwertige Art des Gravierens betrachtet. Das Ätzen war eine schnell durchführbare Technik, die für ungeschickte Künstler mit wenig Zeit eine Erleichterung war. So stellte die Radierung eine Art Ersatzstich dar und imitierte den Stich in Zeichnung, Linienführung und Schraffur.

Künstler zogen die Radierung dem umständlichen und harten Kupferstich vor, weil die Technik der Radierung anpassungsfähiger und sensibler war.

Die Radierung blieb ein Hilfsmittel und bildete bei jeder Tiefdruckgrafik des 18. und 19. Jahrhunderts die Grundlage.

Heute wird auch noch viel geätzt, doch die Radierung wurde von der Lithografie und vom Siebdruck verdrängt.

 

Weitere chemisch-manuelle Tiefdruckarten:

Aquatinta, Aussprengverfahren, Weichgrundätzung, Durchdruckverfahren.,

 

 

Wie der Hochdruck hat auch der Tiefdruck das indirekte Druckverfahren übernommen.

Dieses Druckverfahren hat den Vorteil, daß man sehr unterschiedliche Oberflächen bedrucken kann. Der Grund ist der elastische Gummizylinder, der zwischen Gegendruck- und Druckzylinder liegt.